Autor: András

Portugal Algarve 2020

Winterflucht.

 

Diesen Begriff haben wir in der letzten Zeit sehr häufig gehört und so kam der Gedanke auch in unsere Köpfe, den Winterblues zu verkürzen und irgendwie und irgendwo ins warme abzuhauen, um genau dort Motorrad zu fahren.

 

Viel zu lang zog sich schon das hässlich graue Wetter in Deutschland und es war wie verhext. Immer wenn wir nicht arbeiten mussten, regnete es in Strömen. Fahren an sich bei einstelligen Temperaturen oder sogar minus Graden ist für uns kein Hindernis. Doch wenn es dazu auch noch regnet, muss ich nicht grade zur "Sonntags-"Tour aufbrechen.

 

So beschlossen wir Anfang Januar, dem Ganzen endlich ein Ende zu setzen. Wir brauchten gute Aussichten in den nächsten Wochen, ein Ziel, auf das wir hinarbeiten und uns freuen konnten, so tief waren wir schon im Winterblues. Der Sommer war einfach zu weit weg, egal von welcher Richtung aus man darauf schaute. Das Gefühl der warmen Sonnenstrahlen auf der Kombi, der Fahrtwind im Gesicht.

Schon waren wir beim "Buchen".

 

So schauten wir, dass wir Anfang März zwei Wochen Urlaub bekamen. Und überlegten, wohin so eine „Winterflucht“ eigentlich geht. 

 

Da wir keine "Ironbutts" sind, kam die eigene Anreise mit unseren Motorrädern in der kurzen Zeit nicht in Frage. Doch wohin wollten wir eigentlich? Irgendwo hin, wo es warm ist, das ist Anfang März schon etwas weiter weg von Deutschland.

Mit Marokko, kanarischen Inseln oder Portugal haben wir unsere erste Auswahl mehr eingeschränkt. Schnell merkten wir aber, dass ich keinen für mich ausreichenden Impfschutz für Marokko hatte. Da ich mit mehreren Autoimmunerkrankungen gesegnet wurde, gehe ich ein paar Sachen vorsichtiger an als andere. Und Impfungen sind dadurch auch nicht so schnell und einfach gemacht.

 

Somit entschieden wir uns, auf dem Europäischen Festland zu bleiben. Somit fanden wir Portugal. 

Vor fünf Jahren, 2015, hatten wir es auf unserer aller ersten Motorradreise fast bis dorthin geschafft. Damals war Málaga unser Reiseziel, da uns die Zeit ausging.

Schnell schauten wir im Internet auf bekannten Reiseportalen und Apps nach Flügen und entschieden uns auch des Wetters wegen speziell für die Algarve. Gute Infrastruktur und der Fakt, dass wir außerhalb der Saison dort hin wollten, war auch eine positive Seite daran. Da wir nur ein paar Tage Zeit hatten, entschieden wir uns bewusst gegen die für uns übliche Art von Ort zu Ort zu reisen.

 

In Faro, dort wo sich auch der Flughafen der Algarve befindet, mieteten wir uns eine Airbnb Wohnung im Universitätsviertel der Stadt. Viele Bars und Restaurants klangen aufregend und viel versprechen. Wollten wir doch so viel wie möglich von der Kultur Portugals in der kurzen Zeit kennenlernen.

In Faro selbst kann man eigentlich alles fußläufig erreichen und für alle anderen Fälle empfiehlt sich ein Uber zu rufen. Haben wir unsere erste Fahrt noch mit dem Bus vom Flughafen zu unserem Apartment unternommen, würden wir das nicht noch einmal tun. Ein Uber ist in Portugal für zwei gerechnet kaum teurer und viel bequemer als die örtlichen Busverbindungen.

 

Wir hatten uns übrigens für HertzRide als Motorradvermietung entscheiden. Nicht, weil wir unbedingt BMW fahren wollten, sondern weil sie mit einer "Vollkaskoversicherung", die bis auf 25% des Schadens übernimmt, das beste Angebot von allen hatten. Bei vielen Vermietungen war der Grundpreis zwar günstiger, doch schlugen diese bei der Versicherung erheblich drauf oder es gab schlicht und ergreifend einfach keine.

 

So warteten auf uns zwei nigelnagelneue 1250er BMW GS's.

Wir hatten sogar Glück. Da zu der Zeit die Auslastung sehr gering war, haben wir nicht wie vorher bestellt zwei 750er BMW GS's bekommen, sondern die 1250er zum selben Preis, obwohl Lisa eigentlich zu jung für diese Motorrad Kategorie ist. Doch dies ist in Portugal kein Problem, wurde aus der Jahreszahl am Ende schnell mal eine andere gemacht.

 

Als erste Tour hatten wir uns eine kleine Runde vorgenommen, wollten wir uns erst mal einfahren und an die neuen Motorräder gewöhnen. Wir fuhren über die Landstraßen nach Albufeira ins Restaurant Gastronomica. Dort haben wir schon eine Weile vorher über Instagram Kontakt zu Lucy aufgebaut. Die freundliche Einladung von ihr und ihrem Mann Mato (Spitzname "Chef") konnten wir natürlich nicht ausschlagen.

 

Lucy ist für WRWR (Women Riders World Relay) Guardian in Portugal gewesen und macht sich auch sonst stark für Frauen auf Motorrädern. Ob mit Frauentouren durch Marokko oder einer Portugal Durchquerung auf ihrer 50 Jahre alten 50er Zündapp, zeigt sie, dass nicht nur Männer so etwas können.

 

In Portugal angekommen hörten wir auch schnell vom Vormarsch des Corona Virus, dessen Ausbreitung grade in den Medien angefangen hatte, als wir geflogen sind. Schnell merkten wir die Auswirkungen. Da die Kapazitäten von Intensivbetten in Portugal sehr niedrig ist, schloss das Land schnell seine Schulen und Kindergärten sowie alle öffentlichen Gebäude.

Im Restaurant von Lucy und Chef war nicht wie sonst alles voller Menschen, die aßen und das Leben fröhlich genossen, sondern es war gähnende Leere.

 

So hatten sie zwar Zeit, uns "ihre" Algarve zu zeigen, doch nach einer Woche spitzte sich die Situation zu. Alle restlichen Läden mussten schließen, auch die Restaurants von den beiden.

So saßen wir abends alleine dort mit ihnen und aßen. Portugiesische Gastfreundschaft kennt keine Grenzen. Denn selbst, als wir ihnen Geld zustecken wollten, wollten sie es auf keinen Fall annehmen, trotz der schweren Zeiten, die sie auf sich zukommen sahen.

 

Eher durch Zufall, sahen wir, dass angefangen wurde, etliche Flüge zusammen zustreichen, auch unsere. Da wir bei der Airline niemanden erreichten, was uns zwar nicht wunderte, aber doch verärgerte, sie in den Portugiesischen Nachrichten irgendetwas von einem kompletten Lockdown erzählten, wie Spanien und auch die Deutsche Regierung ihre Leute aus dem Ausland zurück beorderten, entschieden wir uns, uns spontan auf den Weg nach Hause zu machen.

Schnell waren alle Sachen zusammen gepackt. Schnell merkten wir, dass wir nur noch von Lissabon direkt nach Deutschland kamen. Alles andere war etwas ungewiss, da alle Flüge von Faro nach Deutschland gestrichen waren.

So suchten wir Alternativen, um nach Lissabon zu kommen. Bei der Entscheidung, 60€ für einen Zug erster Klasse oder einen Uber für 240€ auszugeben, war es keine Frage, was wir wählten.

Und einen Wermutstropfen hatte das Ganze: irgendwie mag ich es, im Ausland Zug zu fahren, hat dies für mich ein kleinen Hauch von Abenteuer. Oder es liegt an meiner ersten Ausbildung, die ich als Lokführer bei der Deutschen Bahn absolviert habe.

 

Kurz vor der Abfahrt in Faro buchten wir zwei Lufthansa Flüge nach Frankfurt, dies war die einzige Airline, die noch direkt nach Frankfurt flog.

 

So hatten wir uns das Ende unserer Reise nicht vorgestellt. Doch man muss aus der Situation das Beste machen.

Auf dem Rückweg haben wir übrigens noch mal das Uber in Deutschland ausprobiert. Der Unterschied war sehr groß. In Deutschland bevorzugen wir dann doch weiterhin die guten alten Taxis.

 

Ein abschließendes Urteil über unsere Winterflucht gibt es natürlich auch: Wir werden dies auf jeden Fall wieder tun!

Auch die BMW GS hat ein Fazit von unserem persönlichem Empfinden verdient: Haben wir früher die GS-Fahrer beim Schwärmen immer ein wenig belächelt, müssen wir ihnen schon ein stückweit zustimmen. Ein tolles Motorrad, doch der Preis und die Elektronik ist und bleibt für uns das Ausschlusskriterium.

Übrigens ist sie mir nur einmal umgefallen, da stand sie nicht richtig auf dem Seitenständer.

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