Autor: Lisa

Schottland 2019

Up to the Scotts!

 

Schon immer haben uns die Sagen umworbenen Highlands fasziniert: raues Wetter, atemberaubende Landschaften, mysteriöse Burgruinen. Bier und Whisky mal ganz außen vor gelassen ;)

 

Also packten wir unsere Taschen, diesmal mit mehr Kleidung für Regen und Sturm, meine kurze Hose hatte ich auch direkt zuhause gelassen. WIr erwarteten Regen und kühle Nächte.

 

Doch ersteinmal mussten wir los. Wir entscheiden uns für den längeren Weg durch Belgien, Frankreich und England, da wir einige Sehenswürdigkeiten auf dem Hinweg mitnehmen wollten. Besonders zu erwähnen ist dabei das mysteriöse Stonehenge und vor allem der sehr bekannte Lake District in England.

Am Kanal angekommen übernachteten wir in einem sehr schönen und mit viel Liebe gemachten Bauwagen. Irgendwie faszinierte uns die Art, wie diese Unterkunft gestaltet war und einfach von der Norm abwich.

Nachdem wir über den Kanal geschippert waren, ging es erstmal auf die englische Autobahn. Links zu fahren war dort am besten zu "erlernen" oder besser gesagt, sich daran zu gewöhnen. Doch nach 30 Minuten ging mein Motorrad einfach aus. Dieses hatte ich mir erst wenige Wochen vorher besorgen müssen, da ich durch einen Pleulagerschaden Angst hatte, mit meiner bisherigen Ténéré die Reise nicht zu überstehen. Glücklicherweise konnte ich mit er neu besorgten Ténéré auf dem Seitenstreifen anhalten. Die Maschine ließ sich wieder ganz normal starten und so setzten wir unsere Fahrt fort.

Weitere 40 Minuten später hatten wir nicht so viel Glück und wir produzierten einen kleinen Stau auf der linken Spur in einer Baustelle ohne Seitenstreifen. Diesmal ließ sie sich auch nicht mehr so einfach starten. Wir rüttelten etwas rum und András rüttelte auch am Seitenständer. Nachdem sie nun wir an spring, vermuteten wir einen Wackelkontakt am Seitenständer. Dieser wurde wahrscheinlich durch das Niederbinden des Motorrades auf der Fähre verursacht oder einfach weil sie auch schon sehr alt ist (Baujahr 1996).

 

Bis nach Stonehenge kamen wir dann ohne weiteren Zwischenfall, auch wenn das mulmige Gefühl, sie könnte wieder jeden Moment ausgehen, weiter mitfuhr.

DIe letzten Kilometer gingen dann über die Landstraße und dort zog sich die Fahrt. Man kann von dieser Straße aus nämlich Stonehenge schon gut sehen und so trödeln die Touristen langsam vorbei, um Fotos aus der Ferne schießen zu können oder den Anblick einfach nur zu genießen. Auf dem Parkplatz vor STonehenge waren wir dann erstmal positiv überrascht. Nachdem wir ein Schild passierten, auf dem eine Parkgebühr von 5€ ausgeschildert war, winkten uns die Parkwächter ohne eine Bezahlung durch und dirigierten uns zu den Motorrad Parkplätzen. So gingen wir mit guter Laune zum Eingang. Doch seit diesem Tag wissen wir, dass wir uns in Zukunft besser informieren sollten, wie hoch die Eintrittspreise unserer erwählten Highlights sind. Denn uns überkam der Schlag, als wir die Eintrittspreise von über £21 pro Person erspähten. Also entschlossen wir uns, erst einmal einen Campingplatz in der Nähe aufzusuchen. Dort schlugen wir unser Zelt auf und aßen etwas. Nebenbei erkundete András bei GoogleMaps die Umgebung von Stonehenge und entdeckte eine kleine unbefestigte Straße, die direkt daran vorbei führte. Also schwangen wir uns beide auf András sein Motorrad, für solche kurzen Strecken machen wir das ab und zu noch,  fuhren zurück und nachdem wir 5 Minuten über eine Schwafsweide gelaufen waren, waren wir nur wenige Meter von den Menschen entfernt, die Eintritt gezahlt hatten. Und da man eh nicht mehr zwischen den Steinen hindurch gehen kann, waren diese paar Meter keine Rede wert.

Weiter ging es dann durch den landschaftlich sehr schönen Peak District National Park. Dort campten wir auf einem Bauernhof mit einem schönen Blick auf die Berge. Als wir dort ankamen, ging meine Maschine wieder aus. Ich dachte, ich hätte sie nur abgewürgt auf dem huckeligen Rasen, auf dem es leicht bergauf ging. Nachdem ich sie beim ersten Mal wieder nicht an bekam, sondern erst nach Ruckeln am Seitenständer, war die Ursache klar. Und so entschlossen wir uns am nächsten Tag auf dem Weg in den Lake District National Park, durch Manchester zu fahren, um den Seitenständer überbrücken zu lassen. In einem Vorort von Manchester entdeckte András einen Yamaha Händler, bei dem wir sofort anhielten. Leider hatte er keine eigene Werkstatt, telefonierte jedoch für uns herum und schickte uns zu einer Hinterhof Werkstatt. Dort wurde mir innerhalb von wenigen Minuten geholfen. Ich war so froh, jetzt ohne die Angst fahren zu müssen, dass meine Maschine plötzlich stehen bleibt. Durch diesen Glücksgriff konnten wir uns auch den Weg mitten durch Manchester sparen.

 

Im Lake District machten wir einen Tag Motorrad-Pause und gingen wandern. Die Gegend eignet sich wundervoll dazu. Wir konnten direkt vom Campingplatz los laufen und erklommen einen Berg. Das Wetter war mit fast 30°C schon fast zu warm, aber es war einfach umwerfend.

Nach 7 Tagen on Tour erreichten wir nun Schottland. In Loch Lomond & The Trossachs National Park machten wir den ersten Kontakt mit den Einheimischen und ihren Gewohnheiten. Die Schotten konnten in einem harten Ton rüber kommen und wechselte man ein paar mehr Worte mit ihnen, so wurden sie immer lockerr und scherzten auch mit einem herum.

 

Der zweite Tag in Schottland führte uns durch Regen, der erst an unserem Zeil aufhörte, nach Fort William. Dort mieteten wir uns in ein sogenanntes Bunk House ein, was ich mit einer Jugendherberge vergleichen würde. Es gab ein Doppelstockbett, einen Kleiderschrank und ein Waschbecken im Zimmer und doch war dies kleiner geschnitten als unser Zelt, welches wir ein Mal quer durchs Zimmer hingen, um es trocknen zu lassen. Dann konnte man sich dort nicht mehr bewegen. Dort übernachteten wir zwei Nächte. Einen Tag nutzten wir, um uns das aus den Harry Potter Filmen bekannte Viadukt in Glenfinnan anzugucken, über das der Hogwarts Express fährt. Zum Glück waren wir mit den Motorrädern in Glenfinnan, mit dem Auto hätten wir Stunden vorher ankommen müssen, um einen Parkplatz zu finden. Ich möchte gar nicht wissen, was dort los war, als die Filme noch aktuell waren. Das ganze Ausmaß an Schaulustigen wurde uns aber erst richtig deutlich, als wir am Tag darauf selbst mit dem Jacobite, so heißt der Dampflock betriebene Zug von Fort William zum Küstenstädtchen Mallaig, fuhren und die Menschenmassen im Wald sahen, als wir über das Viadukt fuhren.

Am Abend fuhren wir mit den Motorädern wieder von Fort William nach Glenfinnan, um dort am Bahnhof in einem alten, stillgelegten Schlafwagen aus den 1950er Jahren zu übernachten.

Weiter ging es auf Schottlands höchstgelegenster Passstraße nach Applecross. Wir durchfuhren die wunderschönen Highlands, die auch bei Regenwetter eine Faszination auf uns ausübten. Die Passstraße selbst ist eine Single-Track-Road, die an der Küste lang führt. Die Landschaft ist atemberaubend, aber die Straße ist in der Hochsaison etwas zu voll, sodass man ständig in den Haltebuchten ausweichen und warten muss.

Auf dem Campingplatz ließen wir uns auf der hinteren der zwei Wiesen nieder. Immer wenn Motorradfahrer vorbei kamen, winkten wir, damit sie sich bei uns niederließen und man unter gleichgesinnten war. Doch keiner reagierte darauf, bis auf einen Deutschen, der sein Zelt neben uns aufschlug und mit dem wir noch Essen gingen und den Abend verbrachten.

 

Als wir am nächsten Tag Richtung Durness aufbrachen, entdeckten wir sehr viele Plätze zum Wildcampen, nur wenige Kilometer hinter dem Campingplatz und ärgerten uns etwas darüber, diese Gelegenheit nicht genutzt zu haben.

Durness wollten wir eigentlich in zwei Tagesetappen erreichen. Aber da wir uns über Facebook mit jemanden dort verabredet hatten, der die Runde genau anderserum fuhr wie wir, beschlossen wir, es in einer Tagestour zu schaffen.

Eigentlich wollten wir relativ küstennahe fahren, doch da ich nicht morgens auf das Navi schaute, wo dieses uns lang führt und wir auf dem Weg auch nicht auf unser Bacuhgefühl hörten, als uns das Navi weg von bekannten Orten, die wir bei der Routenplanung eingeplant hatten, weg navigierte, fuhren wir fast bis an die schottische Ostküste, bevor es an unser Ziel ging. Dafür fuhren wir eine One-Track-Road, die ich eh fahren wollte, aber eigentlich nicht auf unserer geplantetn Route lag, die A838. Leider ging dort wohl auch die Kupplung von András kaputt, bei einem starken Brems- und Ausweichmanöver, als plötzlich ein LKW nicht langsam um die Ecke fuhr.

Nach guten 1,5 Wochen erreichten wir die nördlichste Ortschaft Schottlands auf der Hauptinsel: John O'Groats. Für die riesige Anzahl an Souvenirläden war ich enttäuscht, dass es nur zwei mal täglich Bootsüberfahrten zu den Orkney Inseln gab und Ausflüge zu den dort beheimateten Papageintauchern. Dafür aßen wir den wohl leckersten Käsekuchen, den Orkney Fudge Caramell Cheesecake, in John O'Groats.

Eine kleine Enttäuschung gab es für mich noch, als ich sah, dass in zwei Tagen die Highlandgames dort stattfinden sollten. So lange konnten wir jedoch nicht bleiben, um stressfrei wieder Richtung Fähre zu fahren. Auf dem Campingplatz erfuhren wir dann aber, dass es in die Richtung, in die es eh weiter gehen sollte, am nächsten Tag Highlandgames ausgetragen werden würden. Und so nutzten wir den kleinen eingefahrenen Puffer, um nicht allzu viel Strecke zu machen und uns die Highlandgames in Dornoch bei strahlendem Sonnenschein anzusehen.

 

Als wir am nächsten Tag Richtung Loch Ness weiter fuhren, ereilte András das Pech. Sein Motorrad ging wenige Meter vor einem Kreisverkehr aus und auch ersteinmal nicht wieder an. Nach vielem hin und her gewackel, konnte er sie wieder starten und musste ohne stark nach rechts zu lenken in die nächste Stadt fahren, wo wir auf eine Werkstatt hofften, die uns hilft. Leider war es nicht so leicht wie gedacht, aber auch hier hatten wir Glück, dass wieder jemand zum Telefon griff und uns Hilfe besorgte. Wir mussten zwar wieder einige Kilometer zurück, aber das war uns egal. Hauptsache schnelle Hilfe, um die Fähre in 4 Tagen nicht zu verpassen. Es stellte sich heraus, dass das Kabel für die Zündung gebrochen war. DIe Reparatur dauerte über 2 Stunden und durch die Zeit, die für die Suche einer Werkstatt und das Zurückfahren drauf ging, war unser Puffer komplett aufgebraucht und bei Loch Ness reichte die Zeit auch nur für ein paar wenige Fotos.

Kurz vor Ende der Tour konnte uns Schottland noch mit seinen wilden Tieren ins staunen versetzen. In New Burgh, an der Ostküste, gibt es eine Flussmündung ins Meer, an deren Strand sich unzählige Robben tummeln. Man kommt wohl dichter an die Tiere als in den meisten Zoos.

Auf der Suche nach einem Campingplatz nahe Stonehaven kamen wir noch an Dunnottar Castle vorbei, welches ich mir noch von außen anschaute, während András bei den Motorrädern blieb.

 

Die letzten zwei Nächte verbrachten wir in einem umgebauten Schiffscontainer, den wir über Airbnb fanden. Eine tolle Wohnidee, in die wir uns verliebten. Von dort fuhren wir eine gute Stunde nach Edinburgh, wo wir uns den letzten Tag in Schottland die Altstadt anschauten und den Motorrädern die letzte Pause gönnten. Edinburgh ist sehr empfehlenswert und man versteht, wie J.K. Rowling auf die Ideen der fantastischen Welt von Harry Potter und seinen Freunden kam. Man könnte meinen, man wäre selbst in der Winkelgasse in London.

 

Die letzte Etappe fuhren wir auf der größten Straße, die nach New Castle Upon Tyne führte, da András sein Kupplungsschaden immer mehr auf das Getriebe schlug und am Morgen auch noch sein Tacho ausfiel (obwohl wir das bei meinem Tacho eher erwartet hatten, da dieser seit Beginn der Reise schon wild hin und her wippte). So waren wir also froh, die Fähre erreicht zu haben, auf der wir den Deutschen, den wir in Apllecross kennenlernten, wiedertrafen. Und nachdem wir am nächsten Morgen in Amsterdam angelegt hatten, fuhren wir die letzten zwei Tagesetappen nach Hause auch nur noch über die Autobahn.